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Segelschifffahrt: Die Ära der Rahsegler und Koggen

Quellen: Meyers Lexikon, Artikel „Schiffahrt” (S. 436, 461); Brockhaus; NDR; Stand: ca. 1890


Einleitung: Tausend Jahre auf dem Wind

Die Segelschifffahrt war über Jahrtausende das dominierende Verkehrsmittel zu Wasser. Bevor es Dampfschiffe gab, bewegten sich alle Schiffe nur durch die Kraft des Windes. Diese Ära dauerte von den Anfängen der Seefahrt bis weit ins 19. Jahrhundert.


Die Holländer: Meister der Segelschifffahrt

Mitte des 17. Jahrhunderts besaß Holland etwa 15.000 Handelsschiffe, darunter 2.000 Heringsfischerfahrzeuge und etwa 200 Robben- und Walfischfänger. Die 1602 gegründete große Ostindisch-Holländische Handelscompagnie brachte das Seewesen Hollands auf die höchste Stufe.


Die Hanseschiffe

Die Kogge war das Schiff der Hanse vom 12. bis 15. Jahrhundert. Sie war etwa 20 bis 30 Meter lang, hatte eine Ladekapazität von 50 bis 200 Lasten, wurde von einem Einmast mit Rahsegel angetrieben und führte eine Besatzung von 10 bis 30 Mann.

In Deutschland wurde seit dem Niedergang der Hansa die Seefahrt fast nur durch Hamburg ausgeübt, dessen Seeverkehr sich auf Spanien, Portugal, Island und Grönland beschränkte.


Die Seemächte im Wettbewerb

Die Seefahrt Englands entwickelte sich spät. Erst Heinrich VIII. gab ihr die Grundlage durch Einrichtung von Seeämtern und Kommissionen zur Ausbildung von Steuerleuten und Lotsen. Drakes und Cavendishs Weltumsegelung und das Ende der Armada hoben das Nationalgefühl und sicherten England die Herrschaft über die Meere.

Frankreichs Seewesen gewinnt erst im 17. Jahrhundert mit Colbert Bedeutung. Er verfügte regelrechte Aushebung der Küstenbevölkerung, legte Kriegshäfen und Werften an, zahlte den Reedern für neugebaute Schiffe Prämien.


Die Entdecker-Schiffe

Die Karavelle war das Schiff der großen Entdecker mit einer Länge von 20 bis 30 Metern, einer Tonnage von 50 bis 100 Tonnen, Lateinersegel und Rahsegel, und war wendig genug für die Küstenfahrt.


Die Weltflotte

Die Gesamtzahl aller Seesegelschiffe wurde 1879 zu 118.800 mit einem Raumgehalt von 15.130.351 Nettoregistertonnen angegeben. 1883 gab es 2.811 Segelschiffe mit 403.983 Tonnen und 1.370 Dampfschiffe mit 994.797 Tonnen.


Die Seeleute

Die Gesamtheit der Schiffsbesatzungen zählt gegenwärtig gegen 900.000 Köpfe, von denen 200.000 auf die Dampfschiffe, über 500.000 auf die Segelschiffe kommen. Die harten Bedingungen umfassten enge Kojen, hartes Brot und Pökelfleisch, Krankheiten wie Skorbut und Typhus, harte und oft brutale Disziplin, und geringen Lohn oft in Naturalien.


Das Ende der Segelschifffahrt

Die Segelschiffahrt dient heutzutage fast nur dem Transport von Rohstoffen, während ausgedehnte Dampferlinien den Personenverkehr und Transport wertvoller Ladung, an deren schneller Beförderung viel gelegen ist, ganz an sich genommen haben.


Die legendären Flying P-Liner: F. Laeisz

Die Reederei F. Laeisz besitzt die größten Segelschiffe Deutschlands, deren schnelle Reisen, namentlich die um das Kap Hoorn nach der Westküste Südamerikas, in nautischen Kreisen größte Berühmtheit erlangt haben. Die Reederei wurde am 24. März 1824 in Hamburg von Ferdinand Laeisz gegründet und spezialisierte sich auf den Handel mit Südamerika.

Das P im Namen der Linie stammt vom ersten Schiff aus der Reihe, der Bark Pudel. Diese Bezeichnung geht auf den Spitznamen der Reeders-Gattin zurück, die damals eine Pudel-Frisur trug. 1856 heiratete Carl Laeisz eine junge Frau mit krausen Haaren, und Carl ließ eine neue Bark bauen und nannte sie Pudel. Fortan begannen alle Schiffe der Reederei mit P.

Flying P-Liner nannten Seeleute in der Zeit der Windjammer hochachtungsvoll die Segelschiffe der Hamburger Reederei F. Laeisz. Die letzten acht Laeisz-Segler wurden die acht Schwestern genannt, darunter Peking, Passat, Padua und Pommern.


Fazit: Die Ära der Segler

Die Segelschifffahrt war jahrtausende lang die einzige Möglichkeit, größere Distanzen über Wasser zurückzulegen. Die Dampfschifffahrt hatte gewonnen, aber die Segler blieben für den günstigen Transport von Rohstoffen wichtig, vor allem auf der Chile-Route um Kap Hoorn.


Quellen: Meyers Lexikon, Brockhaus, ca. 1890; Stand: 2026