Steuerbefreiung und Steuern: Wer zahlte was im Alten Reich?
Quellen: Meyers Lexikon; Brockhaus; Stand: ca. 1890
Einleitung: Die ungleiche Steuerlast
Im Heiligen Römischen Reich und in Europa bis 1900 war die Steuerlast extrem ungleich verteilt. Der Adel, die Geistlichkeit und die Patrizier waren weitgehend von Steuern befreit, während das einfache Volk den Großteil der Abgaben trug.
Der Adel und seine Privilegien
Auch war er frei von Steuern, Zöllen und Einquartierungen, wie es über den ungarischen Adel hieß. In Deutschland galten ähnliche Privilegien: Befreiung von direkten Steuern, Zollfreiheit ohne Handelszölle, Befreiung von Einquartierung, Befreiung vom Kriegsdienst nur bei Insurrektion im Notfall, und privilegiertes Gericht nur vor Adelsgerichten.
Die Logik war einfach: Der Adel war der Kriegerstand und leistete Kriegsdienst, die Geistlichkeit betete und diente Gott, und das Bürgertum handles und zahlte Steuern.
Die Fugger: Meister der Steuervermeidung
Jakob Fugger war der reichste Mann seiner Zeit, aber auch berüchtigt dafür, sich arm zu stellen. Ironischerweise gründete er ausgerechnet die Fuggerei, 106 kleine Häuser für arme Bürger in Augsburg gegen geringen Zins.
1504 lieh er Kaiser Maximilian 70.000 Goldgulden. 1509 wechselte er für Frankreich, Spanien und den Papst 170.000 Dukaten. Um 1510 verdiente er 100.000 Gulden allein mit Bergbau in einem Jahr. 1519 lieh er 300.000 Gulden für die Kaiserwahl Karls V.
Die Fugger liehen dem Kaiser Geld und bekamen dafür Privilegien, kauften Grundbesitz und ließen ihn auf Strohmänner laufen, präsentierten sich als dienende Bankiers statt als Reiche, und bekamen Steuerexemtionen weil sie angeblich so wenig hatten. Sie kauften sich nicht nur Steuern, sondern den gesamten Adelstitel.
Die Medici: Bankiers des Papstes
Die Medici waren die mächtigste Bankiersfamilie Europas im 15. und 16. Jahrhundert. Cosimo wurde von seinen Mitbürgern aus Florenz verbannt, kehrte aber 1434 zurück und regierte die Stadt faktisch bis zu seinem Tod. Die Medici kontrollierten Florenz und damit die Steuereintreiber, hinterlegten Geld als Staatsanleihe und kassierten Zinsen auf ihr eigenes Geld, waren демократы um Steuern zu umgehen, und regierten ohne formal die Herrscher zu sein.
Die Bauern: Die Leidtragenden
Im Gegensatz zu Adel und Patriziern zahlten Bauern Grundsteuer für ihr Land, Zehnte mit 10 Prozent der Ernte an den Herrn, Leibsteuer für ihre eigene Person, und Kriegssteuer bei Bedarf. Die Bauern waren die meiste Zeit verschuldet und lebten am Rande des Existenzminimums.
Fazit: Steuervermeidung war Normalität
Die Geschichte der Besteuerung ist eine Geschichte des Kampfes zwischen Reich und Arm, und die Reichen haben immer gewonnen. Die ganz Reichen zahlten oft nur einen Bruchteil ihrer tatsächlichen Einkünfte durch legale Lücken, Strohmänner und kaiserliche Privilegien.
Quellen: Meyers Lexikon, Brockhaus, ca. 1890; Stand: 2026