Die großen Grand-Tour-Reisenden: Lady Montagu, Byron, Shelley
Quellen: Brockhaus; Meyers Lexikon; Stand: ca. 1890
Lady Mary Wortley Montagu (1689-1762)
Eine Frau auf Grand Tour
Lady Mary Wortley Montagu, englische Schriftstellerin, heiratete 1712 den reichen Edward Wortley Montagu. Als derselbe 1716 den Gesandtschaftsposten bei der Pforte erhielt, folgte sie ihm nach Konstantinopel. In Konstantinopel lernte sie die Schutzpockenimpfung kennen, die sie später in England einführte.
Mit ihrem Gemahl kehrte sie 1718 nach London zurück. Später lebte sie 22 Jahre in Italien und kehrte erst 1761 nach England zurück, wo sie am 21. August 1762 starb.
Lady Montagus Beitrag war vielfältig: Sie brachte die Schutzpockenimpfung nach England und veränderte damit die Medizingeschichte. 22 Jahre in Italien zu leben war typisch für eine lange Grand Tour. Ihre Briefe über ihre Türkeireise galten als frühe Reiseliteratur von einer Frau.
Lord Byron (1788-1824)
Die erste Grand Tour: Portugal, Spanien, Griechenland
Juni 1809 trat er mit seinem Freunde Hobhouse eine große Reise an. Über Portugal und Spanien fuhr er nach Malta, durchzog einen großen Teil Griechenlands und Kleinasiens, machte das Wagestück den Hellespont zu durchschwimmen, besuchte Konstantinopel und kehrte, nach längerm Aufenthalt in Athen, auf demselben Wege im Juli 1811 zurück.
Im Februar 1812 erschienen die auf der Reise vollendeten beiden ersten Gesänge von Childe Harold’s pilgrimage, die ihn auf die Höhe des Dichterruhms hob.
Die zweite Grand Tour: Die Schweiz und Italien
Nach gesellschaftlichem Skandal verließ Byron England im April 1816. Durch die Niederlande und am Rhein aufwärts zog er in die Schweiz, wo er sich im Juni am Genfersee bei dem Ehepaare Shelley niederließ.
Er lebte seitdem, unausgesetzt dichterisch tätig, am Genfersee und in verschiedenen Städten Oberitaliens. In Venedig 1819 und Ravenna 1820 trat er zur schönen Gräfin Teresa Guiccioli in ein vertrautes Verhältnis.
Das Ende in Griechenland
Im Juli 1823 zog er nach Griechenland, bildete auf eigene Kosten eine Brigade von 500 Sulioten und starb am 19. April 1824 in Mesolongion.
Percy Bysshe Shelley (1792-1822)
Shelleys erste Kontinentale Reise
Um seine erschöpfte Gesundheit wiederherzustellen, unternahm Shelley 1814 eine Reise nach dem Kontinent und verweilte längere Zeit am Vierwaldstätter See.
Die Begegnung mit Byron
1816 ging er eine zweite Ehe ein mit Miss Mary Wollstonecraft Godwin und lebte mit ihr den Sommer über an den Ufern des Genfer Sees in einem Landhaus nahe der Villa Diodati, welche Byron bewohnte, mit dem er hier das innigste Freundschaftsbündnis schloss.
Shelleys Italienreise
Im Frühjahr 1818 ging er nach Italien und lebte dort abwechselnd zu Venedig, wo damals Byron verweilte, Neapel und Rom.
Shelleys Tod
Er ertrank am 8. Juli 1822 auf einer von Livorno aus unternommenen Fahrt im Busen von Spezia durch das Umschlagen seines Boots.
Gemeinsamkeiten der Grand-Tour-Reisenden
Die drei Reisenden teilten mehrere Charakteristika: Sie alle verbrachten Jahre im Ausland, vor allem in Italien und Griechenland. Ihre Reisen inspirierten große literarische Werke. Sie alle waren britische Aristokraten oder Angehörige des gehobenen Bürgertums. Ihre Werke prägten das romantische Bild des Südens.
Quellen: Brockhaus, Meyers Lexikon, ca. 1890; Stand: 2026