HerrHohlbein

Herr Hohlbein

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Kurreisen und Badereisen: Die Geschichte der Heilbäder

Quellen: Brockhaus (Band 2, S. 341); Meyers Lexikon (Band 10, S. 347); Stand: ca. 1890


Die Anfänge der Badekultur

Die Geschichte der Heilbäder reicht in die Antike zurück. Griechen und Römer kannten die heilende Kraft bestimmter Quellen und bauten elaborate Badeanlagen. Die Römer perfektionierten die Badekultur mit ihren berühmten Thermen, öffentlichen Badeanlagen, die sowohl der Hygiene als auch der Geselligkeit dienten.


Was ist ein Kurort?

Kurorte sind Orte, an welchen gewisse Krankheiten, namentlich chronische Störungen des Stoffwechsels, unter besonderen Veranstaltungen, klimatischen Verhältnissen und geregelter Lebensweise geheilt werden. Eine solche Kur kann unter Umständen an dem Wohnort des Leidenden selbst eingeleitet werden. Als ein sehr wesentliches, den Erfolg der Kur unterstützendes Moment ist aber mit vollem Recht ein passender Wechsel des Aufenthalts anzusehen.


Einteilung der Kurorte

Nach Thilenius ordnen sich die Kurorte in zwölf Gruppen. Klimatische Kurorte nutzen das heilende Klima. Wildbäder bieten natürliche Thermalquellen. Einfache Säuerlinge dienen zum diätetischen Gebrauch. Kochsalzquellen umfassen Sole- und Salzquellen. Seebäder nutzen Meerwasser und Küstenklima. Alkalische Quellen sind basische Heilquellen. Bitterwasserquellen sind magnesiumsulfat-haltig. Alkalisch-erdige Quellen stellen eine Mischform dar. Eisenquellen und Moorbäder bieten Eisen- und Moorheilbäder. Schwefelquellen sind schwefelhaltige Quellen. Milch, Kumys, Molken und Weintrauben werden für Trinkkuren eingesetzt. Spezial-Heilanstalten sind spezialisierte Einrichtungen. Zusätzlich gibt es Terrainkurorte als neuere Einrichtungen.


Die Balneologie

Die Balneologie, die Lehre von den Bädern, umfasst drei Teilgebiete. Die Balneotherapie behandelt die Anwendung der Bäder bei verschiedenen Krankheits- und Gesundheitszuständen. Die Balneodiätetik befasst sich mit dem diätetischen Verhalten beim Gebrauch von Brunnen- und Badekuren. Die Balneotechnik kümmert sich um die Bereitung der Bäder und die Errichtung von Badeanstalten.

Zum gegenseitigen Austausch ihrer Erfahrungen pflegen seit 1879 die deutschen Badeärzte sich in Berlin alljährlich zu einem Balneologischen Kongreß zu versammeln.


Die Blütezeit der Kurorte im 19. Jahrhundert

Berühmte deutsche Kurorte

Karlsbad in Eger war der berühmteste Kurort Europas mit alkalischen Quellen. Bad Ems bot Kochsalzquellen und war ein mondäner Treffpunkt. Bad Gastein war ein Wildbad mit alpinen Thermalquellen. Bad Kissingen in Bayern nutzte alkalische Quellen und war der berühmteste Kurort Bayerns. Wiesbaden verfügte über 15 Thermalquellen.

Seebäder

Die Seebäder wirken anregend auf den Gesamtkörper ein. Das erste deutsche Seebad war Norderney seit 1791. Sylt ist eine westfriesische Insel. Warnemünde liegt an der Ostsee. Cannes und Nizza befinden sich an der Riviera.


Der Kurgast im 19. Jahrhundert

Das Kurleben

Die Auswahl, in welchen der Kurort ein bestimmter Kranker oder Erholungsbedürftige geschickt werden muss, ist überaus schwierig, da unter den Kurorten, welche anregend wirken, wie zum Beispiel die Seebäder, jeder einzelne ein sozusagen individuelles Gepräge besitzt.

Kursedeln

Typische Kuraktivitäten umfassten die Trinkkur, bei der Heilquellen nach ärztlicher Verordnung getrunken wurden, die Badekur mit thermalen oder mineralischen Bädern, die Bewegungskur mit Spaziergängen und Terrainkuren, sowie eine spezielle Diät.


Statistiken um 1890

Deutscher Bäderverband

1892 wurde in Leipzig der Allgemeine deutsche Bäderverband gegründet.

Kurortliteratur

In den Jahrzehnten vor 1890 erschienen wichtige Werke zur Balneologie. Osann veröffentlichte von 1839 bis 1843 eine physikalisch-medizinische Darstellung der bekannten Heilquellen Europas. Lersch schrieb von 1855 bis 1860 eine Einleitung in die Mineralquellenlehre und 1863 die Geschichte der Balneologie. Hauck verfasste 1876 ein Werk über die Kurorte, Gesundbrunnen und Sommerfrischen Deutschlands. Von Ammon publizierte 1880 zur Brunnendiätetik. 1889 erschien von Flechsig das Bäderlexikon in zweiter Auflage.


Die Sommerfrische

Neben den eigentlichen Kurorten entwickelte sich die Sommerfrische als Erholungsreise. Sehr bedeutend war dabei die Einwirkung von speziell zu diesem Zwecke gegründeten Gesellschaften sowie viele Geographische Gesellschaften, die zum Teil besondere Kapitalien für Forschungsreisen bereit halten.

Die Sommerfrische wurde besonders in der Schweiz, Österreich und Deutschland populär. Beliebte Ziele waren der Schwarzwald, die bayrischen Alpen oder der Thüringer Wald.


Hygiene in Kurorten

In einem Kurort betrug der Anteil der Todesfälle bei den Einwohnern durch Infektionskrankheiten 22 Prozent, bei den Badegästen nur 10 Prozent. Die Kurorte legten zunehmend Wert auf sauberes Trinkwasser, moderne Kanalisation, ärztliche Überwachung und hygienische Badeeinrichtungen.


Quellen: Brockhaus, Meyers Lexikon, ca. 1890; Stand: 2026