Mundkrankheiten – Erkrankungen der Mundhöhle
Mundkrankheiten – Erkrankungen der Mundhöhle
Thema: Historische Betrachtung der Mundkrankheiten – von Mundkatarrh bis Mundfäule
Die Mundschleimhaut – Ein empfindliches Gewebe
Die Mundschleimhaut ist ein empfindliches Gewebe, das die gesamte Mundhöhle auskleidet. Sie ist ständig verschiedenen Reizen ausgesetzt – von der Nahrung, von Bakterien, von Temperaturunterschieden und vielem mehr. Kein Wunder also, dass sie von zahlreichen Erkrankungen betroffen sein kann.
Der Mundkatarrh – Die häufigste Erkrankung
Was ist ein Mundkatarrh?
Der Katarrh der Mundschleimhaut (Stomatitis catarrhalis) ist eine überaus häufige Krankheit. Er entsteht durch allerhand Reize und kann in akuter oder chronischer Form auftreten.
Ursachen
Die Ursachen für einen Mundkatarrh sind vielfältig und reichen von mechanischen Reizen bis hin zu chemischen Einwirkungen. Besonders bei Kindern während des Zahnens kann der Druck der hervorbrechenden Zähne zu schwersten Formen des Mundkatarrhs führen. Aber auch scharfe Zahnränder, die die Schleimhaut ständig reizen, Zahngeschwüre und Wunden im Mund durch Verletzungen können die Erkrankung auslösen. Hinzu kommen temperaturelle Reize durch sehr heiße oder kalte Speisen und Getränke sowie chemische Reizungen durch Tabakrauchen und Tabakkauen.
Sekundärer Mundkatarrh
In vielen Fällen pflanzt sich der Mundkatarrh von benachbarten Organen auf die Mundschleimhaut fort. Wunden und Entzündungen im Gesicht, besonders aber die Gesichtsrose, ferner Entzündungen der Rachenschleimhaut und der Mandeln verbinden sich fast stets mit Mundkatarrh.
Ganz gewöhnlich tritt Mundkatarrh zu dem akuten und chronischen Magenkatarrh hinzu. Er ist endlich nicht selten Symptom eines allgemeinen konstitutionellen Leidens, besonders des Skorbuts, des Typhus, Scharlachfiebers, der Syphilis und der chronischen Quecksilbervergiftung.
Symptome des Mundkatarrhs
Akuter Mundkatarrh
Beim akuten Mundkatarrh, welcher den Zahndurchbruch begleitet, ist die Schleimhaut erst stark gerötet, geschwollen, schmerzhaft und trocken. Später stellt sich reichliche Schleimabsonderung ein.
Chronischer Mundkatarrh
Bei dem chronischen Mundkatarrh ist die Schleimhaut mehr oder weniger geschwollen. An den seitlichen Rändern der Zunge bemerkt man leichte, von den Zähnen herrührende Eindrücke, und die Zunge ist mit einem dicken weißen Belag versehen, welcher teils aus Schleim, teils aus abgestoßenen Epithelzellen besteht. In diesem Belag finden sich mikroskopisch feine Fadenpilze und Vibrionen.
Beschwerden
Bei mäßigen Graden des akuten Mundkatarrhs klagen die Kranken über einen schleimig-pappigen, faden oder bittern Geschmack im Mund und über die übelriechenden, gasförmigen Ausdünstungen des faulenden Zungenbelags. Dabei haben die Kranken oft das normale Hungergefühl, doch verlangen sie meist nach pikanten Speisen.
Behandlung des Mundkatarrhs
Ursachen beseitigen
Bei der Behandlung des Mundkatarrhs besteht die Hauptaufgabe in der Beseitigung der ihn unterhaltenden Ursachen. Scharfe Zahnränder, die so leicht übersehen werden, sind mit Sorgfalt durch Abfeilen zu beseitigen. Wunden und Geschwüre der Mundschleimhaut sind gebührend zu behandeln. Das Rauchen ist zu unterlassen oder alternativ eine lange Pfeife anstatt schwerer Zigarren einzuführen. Der sekundäre Mundkatarrh verliert sich gewöhnlich mit der Beseitigung der Grundkrankheit.
Hausmittel
Gute Dienste leisten bei dem chronischen Mundkatarrh Ausspülungen des Mundes mit einer Lösung von kohlensaurem Natron. Ebenso kann der langsame Genuß einer Flasche Sodawasser bei nüchternem Magen Linderung verschaffen.
Schwere Formen der Mundentzündung
Die Diphtherie des Mundes
Der Krupp des Mundes ist stets nur auf die hintern Teile beschränkt und Teilerscheinung der Rachenbräune. Die Diphtherie des Mundes ist eine schwere Erkrankung, bei der die Schleimhaut selbst abstirbt und in einen weißlichen Schorf verwandelt wird. Dieser hinterlässt nach seiner Abstoßung einen Substanzverlust.
Brandige Zerstörung
Zuweilen zerfallen immer neue Schichten, und es tritt brandige Verschwärung ein. Diese Zerstörung kommt nicht allzu häufig vor. Sie stellt die schwereren Formen der mit Quecksilbermißbrauch einhergehenden Mundentzündung dar oder setzt sich bei den Epidemien von brandiger Rachenbräune auf die Mundhöhle fort.
Wenn sich die Schorfe abgestoßen und Geschwüre hinterlassen haben, so ist diese Form der Mundentzündung mit heftigen Schmerzen verbunden, welche durch Kauen und selbst durch Sprechen ins Unerträgliche gesteigert werden. Die Speichelabsonderung ist enorm vermehrt, und es entwickelt sich ein höchst unangenehmer Geruch aus dem Munde des Patienten.
Behandlung schwerer Fälle
Unter 8-14 Tagen pflegt das Befinden des Kranken sich selten einigermaßen zu bessern. Fleißiges Ausspülen des Mundes mit Lösungen von chlorsaurem Kali oder mit Wasser und Rotwein im Beginn der Krankheit, später Bepinselung der Geschwüre mit einer Höllensteinlösung sind sehr zu empfehlen.
Am wirksamsten, wenn auch ungemein schmerzhaft, ist das zeitweise Bestreichen der Geschwüre mit Höllenstein in Substanz.
Mundfäule – Eine gefürchtete Kinderkrankheit
Was ist Mundfäule?
Die Mundfäule (Stomakace) ist eine mit Geschwürsbildung einhergehende Entzündung der Mundschleimhaut. Dabei ist die Absonderung der Mundflüssigkeit wie des Speichels in hohem Grad vermehrt. Durch die auf der innern Mundfläche faulenden Epithelzellen entsteht ein höchst widriger und intensiver Geruch.
Ansteckend?
Die Mundfäule kommt zu manchen Zeiten auffallend häufig, besonders bei Kindern, vor. Es hat fast den Anschein, als ob sie sich durch einen Ansteckungsstoff von einer Person auf die andere übertragen könne.
Symptome
Die Geschwüre der Mundschleimhaut rufen meist empfindliche Schmerzen hervor, welche durch das Sprechen und Kauen vermehrt werden. Der widrige Geruch aus dem Mund bessert sich bei häufig wiederholten Ausspülungen der Mundhöhle mit verdünntem Chlorwasser.
Behandlung
Die Geschwüre selbst pflegen, wenn sie nicht zu tief gehen, bei der Anwendung des chlorsauren Kalis, welches man entweder als Gurgelwasser verwenden oder in geringen Mengen von höchstens 2 Gramm täglich schlucken lassen kann, überraschend schnell zu heilen.
Wenn die Besserung länger auf sich warten läßt, so bepinselt man die Geschwürchen mit einer Höllensteinlösung.
Weitere Mundkrankheiten
Die Mundkrankheiten umfassen noch viele weitere Erkrankungen. So können Pilzinfektionen der Mundschleimhaut zu den sogenannten Schwämmchen oder Soor führen. Der Skorbut, eine Vitamin-C-Mangel-Erkrankung, betrifft ebenfalls die Mundschleimhaut. Auch die Syphilis kann Geschwüre im Mund verursachen. Nicht zuletzt wirken sich Erkrankungen der Zähne und der Zunge auf die gesamte Mundgesundheit aus.
Vorbeugung
Die beste Vorbeugung gegen Mundkrankheiten ist eine gute Mundhygiene. Regelmäßiges Putzen der Zähne entfernt Beläge und Bakterien. Nach jeder Mahlzeit sollte der Mund ausgespült werden, um Speisereste zu entfernen. Reizstoffe wie Tabak sollten möglichst vermieden werden. Eine gesunde Ernährung stärkt das Zahnfleisch und die Mundschleimhaut. Nicht zuletzt sorgen regelmäßige Zahnarztbesuche dafür, dass Probleme frühzeitig erkannt und behandelt werden.
Fazit
Mundkrankheiten sind vielfältig und können von harmlosen Reizungen bis zu schweren, ansteckenden Erkrankungen reichen. Die moderne Medizin hat wirksame Behandlungen entwickelt, doch die Grundprinzipien der Vorbeugung – gute Mundhygiene und regelmäßige Kontrolle – sind seit jeher dieselben.
Die rechtzeitige Behandlung von Mundkrankheiten ist wichtig, da sie sich sonst auf andere Körperregionen ausbreiten können.
Verwendete Quellen:
- Brockhaus (1885-1898)
- Meyers Lexikon (1885-1898)