Zahnpflege im 19. Jahrhundert – Von Zahnpulver bis zur richtigen Putztechnik
Zahnpflege im 19. Jahrhundert – Von Zahnpulver bis zur richtigen Putztechnik
Thema: Die Geschichte der Zahnpflege im 19. Jahrhundert – Mittel, Methoden und Tipps
Die Anfänge der modernen Zahnpflege
Die Zahnpflege, wie wir sie heute kennen, hat ihre Wurzeln im 19. Jahrhundert. Während früher hauptsächlich einfache Hausmittel verwendet wurden, entwickelte sich damals eine regelrechte Industrie rund um die Mundgesundheit. Die Wissenschaft begann, die chemischen und mechanischen Grundlagen der Zahnpflege zu verstehen.
Die Grundlage: Zahnpulver und Pasten
Die gebräuchlichsten Mittel zur Zahnreinigung im 19. Jahrhundert waren Zahnpulver, die entweder trocken oder mit Seife zu Pasten verarbeitet wurden. Die erste und wichtigste Regel bei der Herstellung dieser Mittel war: Die Grundlage darf nicht zu grob und nicht zu scharf sein.
Denn obwohl der Zahnschmelz, die äußere Hülle der Zähne, ungemein hart ist, wird er doch durch fortwährendes Putzen mit scharfen Pulvern wie Bimsstein oder Sepiaschale angegriffen. Auch Holzkohle, die trotz ihrer scheinbaren Weichheit eines der kräftigsten Polirmittel ist, greift die Zähne bei längerem Gebrauch stark an.
Die besten Inhaltsstoffe
Die Wissenschaft des 19. Jahrhunderts identifizierte die Carbonate des Kalkes und der Magnesia als beste Grundlagen für Zahnpulver. Von den Kalkcarbonaten wurden verschiedene Materialien verwendet: Kreide, Marmor, präparierte Austernschalen, gepulverte Korallen und schließlich gefällter kohlensaurer Kalk.
Das gefällte Calciumcarbonat erwies sich als weitaus das beste Material. Es besitzt nicht die unangenehme Schmierigkeit der geschlämmten Kreide, ist aber dennoch hart genug, um reinigend auf die Zähne zu wirken. Zusätzlich zu ihrer mechanischen Reinigungswirkung können die Carbonate auch chemisch wirken, indem sie die im Speichel vorhandene oder durch faulende Speisereste entstandene Säure abstumpfen.
Die vielen medizinischen Zusätze, welche zu den Zahnpulvern und Pasten vielfach zugesetzt wurden, waren bei der Art ihrer Verwendung eigentlich ziemlich überflüssig. Reine gefällte Kreide, hinreichend aromatisiert mit kräftigen Ölen, war vom kosmetischen Standpunkt aus betrachtet das Beste und Empfehlenswerteste unter allen zahllosen Zahnpulvern.
Beliebte Zahnpulver-Rezepturen
Das 19. Jahrhundert kannte eine Vielzahl von Zahnpulver-Rezepturen:
Das Hufeland’sche Zahnpulver bestand aus Chinarindenpulver, Sandelholzpulver, Alaun und ätherischen Ölen wie Bergamott- und Nelkenöl. Es sollte besonders bei Zahnfleischproblemen helfen. (Chinarindenpulver - 300g • Sandelholzpulver - 600g • Alaun - 100g • Bergamottöl - 5g • Nelkenöl - 5g)
Das Myrrhen-Zahnpulver enthielt Myrrhe, Borax, Magnesiumcarbonat, Calciumcarbonat und verschiedene Pfefferminz- und Zitrusöle. Myrrhe war wegen ihrer entzündungshemmenden Eigenschaften besonders beliebt. (Myrrhen - 50g • Borax - 50g • Magnesiumcarbonat - 50g • Calciumcarbonat - 850g • Pfefferminzöl - 5g • Nelkenöl - 2g • Citronenöl - 1g)
Das Salicyl-Zahnpulver wurde mit Salicylsäure hergestellt, die bereits damals für ihre antiseptischen Eigenschaften bekannt war. (Salicylsäure - 10g • Calciumcarbonat - 990g • Pfefferminzöl - 5g • Wintergreenöl - 2g • Rosengeraniumöl - 1g)
Ähnlich funktionierte das Salol-Zahnpulver, das statt Salicylsäure Salol enthielt. (Salol - 20g – im Übrigen wie Salicyl-Zahnpulver)
Für besonders empfindliche Zähne gab es das Thymol-Zahnpulver, das wegen seines strengen Geschmacks oft mit Saccharin – damals ein relativ neues Süßungsmittel – gesüßt wurde. (Magnesiumcarbonat - 100g • Calciumcarbonat - 900g • Thymol - 5g • Thymianöl - 5g • Pfefferminzöl - 2g • Saccharin - 0,1-0,3g pro kg)
Zahnpasten und Zahnseifen
Neben den Pulvern waren auch Zahnpasten und Zahnseifen beliebt. Die Zahnseife nach Paschkis bestand aus Seifenpulver, Myrrhenpulver, Calciumcarbonat, Glycerin und Pfefferminzöl und wurde mit Karmin rot gefärbt. (Seifenpulver - 250g • Myrrhenpulver - 15g • Calciumcarbonat - 500g • Glycerin - 50g • Pfefferminzöl - 10g • Spiritus - 180g)
Die Odontine war eine besonders interessante Mischung aus Seifenpulver, Honig, Calciumcarbonat, Magnesiumcarbonat, Glycerin und verschiedenen ätherischen Ölen – eine Art frühe Zahnpasta mit süßem Geschmack. (Seifenpulver - 250g • Honig - 250g • Calciumcarbonat - 120g • Magnesiumcarbonat - 200g • Glycerin - 185g • Pfefferminzöl - 10g • Kalmusöl - 5g)
Die Kräuter-Zahnseife nach Dieterich vereinte gleich mehrere Wirkstoffe: Zahnpulverkörper, Salbeipulver, Seifenpulver, Bimssteinpulver und eine Mischung aus verschiedenen ätherischen Ölen wie Pfefferminz-, Salbei-, Kalmus- und Thymianöl. (Zahnpulverkörper - 500g • Salbeipulver - 200g • Seifenpulver - 200g • Bimssteinpulver - 50g • Glycerin - 50g • Spiritus - 100g • Pfefferminzöl - 5g • Cumarin - 3g • Salbeiöl - 3g • Kalmusöl - 2g • Origanumöl - 2g • Thymianöl - 1g • Veilchenwurzelöl - 1 Tropfen)
Ebenfalls erwähnenswert waren Dr. Sum de Boutemard’s Zahnpasta (Talkum - 300g • Seife - 250g • Bimssteinpulver - 200g • Glycerin - 250g • Pfefferminzöl - 10g • Nelkenöl - 2,5g) und die Menthol-Zahnpasta für alle, die es besonders erfrischend mochten. (Calciumcarbonat - 400g • Seifenpulver - 200g • Magnesiumcarbonat - 100g • Menthol - 10g • Glycerin - 290g)
Die richtige Putztechnik – Anleitung aus dem 19. Jahrhundert
Die Experten jener Zeit empfahlen eine gründliche Mundpflege in mehreren Schritten. Zuerst sollte der Rachen – also der hintere Teil des Mundes – ausgespült werden, und zwar durch eine richtige Spülung, nicht durch Gurgeln. Danach spülte man die Mundhöhle aus und reinigte schließlich die inneren Wangen und das Zahnfleisch unter Zuhilfenahme von reichlich Wasser und einer nicht zu weichen Zahnbürste.
Das kräftige Reiben mit einer Zahnbürste stärkt das Zahnfleisch, indem es den Blutumlauf beschleunigt. Wer anfangs zu empfindlich für harte Bürsten ist, sollte sich nach und nach an solche gewöhnen.
Das Reinigen der Zähne selbst sollte ebenfalls besser mit einer harten als mit einer weichen Bürste erfolgen – und zwar nicht nur in horizontaler Richtung, sondern vor allem auch vertikal. Man putzt die Zähne des Oberkiefers von oben nach unten, die des Unterkiefers von unten nach oben. Schließlich soll auch die Rückseite der Zähne in gleicher Weise gereinigt werden.
Ein wichtiger Tipp, der auch heute noch gilt: Man sollte nie versäumen, die Zwischenräume der Zähne nach jeder Mahlzeit mit einem elastischen Zahnstocher zu reinigen. Denn gerade die sich dort vielfach festsetzenden Speisereste sind die Ursache für das Anlaufen der Zähne und oft auch für einen übelriechenden Atem.
Mundgeruch – Ursachen und Behandlung
Wenn es um übelriechenden Atem geht, ist in sehr vielen Fällen nur die mangelnde Reinigung des Mundes und der Zähne daran schuld. Festgesetzte Speisereste und schlechter Speichel gehen in Gärung und Fäulnis über und verursachen einen oft geradezu ekelhaften Geruch.
In allen solchen Fällen hilft gründliche Reinigung der Mundhöhle und Spülung mit Desinfektionsmitteln, namentlich mit Lösungen von Kaliumpermanganat. Das Übel wird dadurch bald beseitigt.
Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass außer den angeführten Ursachen vielfach auch Verdauungsstörungen und andere krankhafte Zustände einen übelriechenden Atem hervorrufen können. In diesem Fall bleibt das Mundspülen ohne jeden Erfolg – hier kann nur eine innere Behandlung das Übel heilen.
Weitere Mittel zur Mundpflege
Alaun und Kräuter
Neben den Zahnpulvern wurden auch andere Mittel zur Pflege des Mundes und der Zähne verwendet. Alaun und einige andere Thonerdeverbindungen sowie Löffelkraut und Salbei waren beliebt. Die beiden letztgenannten verdanken ihren alten Ruf hauptsächlich den in ihnen enthaltenen ätherischen Ölen, zu welchen bei der Salbei noch ein geringer Gerbstoffgehalt hinzutritt.
Mundpastillen gegen Mundgeruch
Neben den flüssigen Mitteln gab es auch Mundpastillen gegen üblen Atem. Die Mundpastillen bestanden aus gebranntem Kaffee, Kohlenpulver, Borsäure, Zucker und Vanillin. (Gebrannter Kaffee - 75g • Kohlenpulver - 25g • Borsäure - 25g • Zucker - 65g • Vanillin - 0,5g) Die Zutaten wurden gut verrieben, mit Gummischleim zum Teig angestoßen und Pastillen daraus geformt. Diese wurden mit Silber überzogen und sollten den Atem frisch halten.
Auch Cachou-Pillen waren beliebt – eine Mischung aus Lakritzensaft, Wasser, Katechupulver, Gummi Arabicum, Kaskarillrindenpulver, Mastixpulver, Kohlenpulver, Veilchenwurzelpulver und verschiedenen ätherischen Ölen. (Lakritzensaft - 100g • Wasser - 100g • Katechupulver - 30g • Gummi Arabicum - 15g • Kaskarillrindenpulver - 2g • Mastixpulver - 2g • Kohlenpulver - 2g • Veilchenwurzelpulver - 2g • Pfefferminzöl - 2g • Moschustinktur - 5 Tropfen • Ambratinktur - 5 Tropfen)
Zahntinkturen und Mundwasser im Detail
Die klassische Zahntinktur nach Paschkis
Die Zahntinktur nach Paschkis war eines der beliebtesten Mittel zur Mundpflege. Ein Teelöffel voll wird in ein Glas Wasser gegeben und zum Mundausspülen verwendet. Diese Tinktur eignete sich auch zum Bepinseln des gelockerten Zahnfleisches. (Ratanhatinktur - 125g • Myrrhentinktur - 125g • Kölnisch Wasser - 750g)
Zahntinktur zum Zahnfleisch-Pflegen
Eine weitere Rezeptur, speziell entwickelt für die Pflege des Zahnfleisches. (Bertramwurzeltinktur - 330g • Ratanhatinktur - 330g • Galläpfeltinktur - 330g • Pfefferminzöl - 10g)
Dr. Scheibler’s Mundwasser
Dr. Scheibler’s Mundwasser war eine parfümierte wässerige Lösung von Aluminiumacetat – ein frühes Antiseptikum für die Mundhöhle.
Dr. Vogler’s Zahntinktur
Diese Zahntinktur bestand aus Guajacholztinktur, Löffelkrautspiritus, Zimmttinktur, Chinatinktur und Pfefferminzöl und war für ihre heilenden Eigenschaften beim Zahnfleisch bekannt. (Guajacholztinktur - 600g • Löffelkrautspiritus - 250g • Zimmttinktur - 100g • Chinatinktur - 50g • Pfefferminzöl - 2g)
Anatherin-Mundwasser
Das Anatherin-Mundwasser war ein komplexes Präparat, das bei verschiedenen Beschwerden eingesetzt wurde. Die Kräuter wurden mit Spiritus ausgezogen, dann wurden die ätherischen Öle hinzugefügt. (Chinarinde - 5g • Bertramwurzel - 5g • Guajachholz - 5g • Sandelholz - 5g • Alkannawurzel - 2,5g • Gewürznelken - 5g • Myrrhen - 10g • Spiritus 60%ig - 1000g) Im Filtrat: (Pfefferminzöl - 5g • Zimmtöl - 2g • Salbeiöl - 1g • Thymianöl - 1g)
Eau de Botot
Ein besonders edles Mundwasser, das aus Frankreich stammte und dort am Hof sehr beliebt war. (Sternanis - 50g • Nelken - 20g • Zimmtkassia - 20g • Cochenillepulver - 5g • Spiritus 70%ig - 1000g) Im Filtrat: (Pfefferminzöl - 5g • Rosenöl - 10 Tropfen)
Kaiser-Zahntinktur nach Dieterich
Die Kaiser-Zahntinktur war ein Luxusprodukt mit einer Vielzahl von ätherischen Ölen und galt als besonders hochwertiges Pflegemittel. (Pfefferminzöl - 10g • Krauseminzöl - 5g • Salbeiöl - 5g • Nelkenöl - 3g • Rosenöl - 15 Tropfen • Orangenblüthenöl - 5 Tropfen • Wintergreenöl - 3g • Ylangöl - 2g • Veilchenwurzelöl - 1 Tropfen • Essigäther - 5g • Himbeerspiritus - 15g • Tannin - 20g • Salicylsäure - 20g • Cochenille - 4g • Cumarin - 0,5g • Spiritus - 1000g)
Myrrhen-Zahntinktur nach Dieterich
Die Myrrhen-Zahntinktur nach Dieterich vereinte eine große Anzahl von Heilmitteln und sollte besonders bei Zahnfleischproblemen helfen. (Myrrhentinktur - 50g • Ratanhatinktur - 10g • Zimmttinktur - 10g • Benzoetinktur - 10g • Guajacholztinktur - 10g • Pomeranzschalentinktur - 10g • Löffelkrautspiritus - 50g • Rosenhonig - 100g • Spiritus 80%ig - 850g • Tannin - 10g • Cochenille - 1g • Cumarin - 0,3g • Pfefferminzöl - 5g • Nelkenöl - 1g • Salbeiöl - 1g • Wacholderbeeröl - 5 Tropfen • Wintergreenöl - 5 Tropfen • Rosenholzöl - 5 Tropfen • Ylangöl - 1 Tropfen • Veilchenwurzelöl - 1 Tropfen)
Zahntinktur nach Hager
Diese Tinktur wurde in der Apothekenpraxis häufig verwendet. (Chinatinktur - 65g • Kalmustinktur - 65g • Katechutinktur - 32,5g • Myrrhentinktur - 32,5g • Löffelkrautspiritus - 130g • Jasminspiritus - 130g • Salbeiöl - 2g • Citronenöl - 2g • Rosenöl - 1g • Sandelholz - 15g • Spiritus - 540g) Nach achttägigem Stehen wird filtriert.
Weitere klassische Mundwässer
Neben den bereits beschriebenen Mitteln gab es noch weitere beliebte Mundwässer jener Zeit.
Dr. Hoffmann’s Mundwasser war eines der bekanntesten Mundwässer. Es bestand aus einer Mischung von Myrrhenpulver, Alkannawurzel, Wasser und Spiritus, die acht Tage mazeriert wurde. Die zweite Variante enthielt zusätzlich venezianische Seife, die in Wasser und Spiritus gelöst wurde. Nach dem Mischen kamen Pfefferminzöl, Rosenöl, Citronenöl und Glycerin hinzu. Dieses Mundwasser sollte vor allem gegen Mundgeruch helfen und die Mundhöhle desinfizieren. (Myrrhenpulver - 90g • Alkannawurzel - 15g • Wasser - 250g • Spiritus - 500g)
Das Salicylsäure-Mundwasser war mit der Entdeckung der Salicylsäure entstanden. Die Säure sollte bakterientötend wirken und so Mundgeruch und Zahnfleischprobleme bekämpfen. (Salicylsäure - 25g • Sandelholz - 5g • Pfefferminzöl - 5g • Wintergreenöl - 2g • Vanilletinktur - 5g • Spiritus - 960g)
Listerine kam aus Amerika und war eine Mischung aus Eucalyptusöl, Wintergreenöl, Menthol, Thymol und Borsäure in Spiritus und Wasser. Es war eines der ersten antiseptischen Mundwässer und wurde später weltbekannt. (Eucalyptusöl - 0,5g • Wintergreenöl - 0,5g • Menthol - 0,5g • Thymol - 0,5g • Borsäure - 25g • Spiritus - 300g • Wasser - 675g)
Dr. Pierre’s Zahnwasser kam aus Paris und enthielt Cedernholzeltinktur, Sternanisöl, Pfefferminzöl, Nelkenöl und Heliotropin. (Cedernholzeltinktur - 960g • Sternanisöl - 30g • Pfefferminzöl - 10g • Nelkenöl - 1g • Heliotropin - 0,5g)
Weitere Zahntinkturen
Mialhe’s Zahntinktur war ein französisches Produkt, das Ratanhawurzel, Kino, Benzoe und Tolubalsam in Spiritus mazerierte. (Ratanhawurzel - 25g • Kino - 25g • Benzoe - 1g • Tolubalsam - 1g • Spiritus - 1000g) Im Filtrat: (Pfefferminzöl - 1g • Zimmtöl - 1g • Anisöl - 0,5g)
Die Orientalische Zahntinktur sollte mit orientalischen Zutaten besonders luxuriös wirken. (Pfefferminzöl - 7,5g • Rosengeraniumöl - 1g • Nelkenöl - 4g • Ratanhatinktur - 25g • Vanilletinktur - 10g • Cochenille - 2g • Spiritus - 950g)
Die China-Zahntinktur enthielt echte Chinarinde und sollte besonders heilend wirken. (Chinatinktur - 50g • Guajactinktur - 25g • Myrrhentinktur - 10g • Glycerin - 80g • Pfefferminzöl - 5g • Nelkenöl - 3g • Zimmtöl - 1g • Spiritus - 826g)
Die Antiseptische Zahntinktur nach Paschkis enthielt Myrrhentinktur, Benzoetinktur und Löffelkrautspiritus. (Myrrhentinktur - 100g • Benzoetinktur - 100g • Löffelkrautspiritus - 800g)
Odol
Odol war eines der bekanntesten Mundpflegemittel jener Zeit. Es sollte eine mit Saccharin versüßte, mit Pfefferminzöl parfümierte Lösung von Salol in Alkohol sein.
Was man vermeiden sollte
Die Experten des 19. Jahrhunderts warnten deutlich vor bestimmten Praktiken:
- Zu scharfe Zahnpulver: Bimsstein, gepulverte Kohle und ähnliche Schleifmittel greifen den Zahnschmelz an
- Zucker: Zuckerhaltige Zahnpulver sind schädlich für die Zähne
- Saure und scharfe Flüssigkeiten: Essig und Pflanzensäuren greifen den Zahnschmelz an
- Plötzlicher Temperaturwechsel: Heißes und Kaltes hintereinander kann Risse im Schmelz verursachen
Fazit
Die Zahnpflege im 19. Jahrhundert war bereits erstaunlich ausgereift. Die Menschen verstanden die Grundprinzipien: mechanische Reinigung mit nicht zu scharfen Mitteln, regelmäßiges Putzen in der richtigen Richtung, Reinigung der Zahnzwischenräume und Desinfektion der Mundhöhle. Viele der Ratschläge aus jener Zeit sind heute noch genauso gültig wie damals.
Verwendete Quellen:
- Brockhaus (1885-1898)
- Meyers Lexikon (1885-1898)
- Drogisten-Handbuch (1885-1898)